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 Rennsteig

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 Persönlichkeiten am Rennsteig
 Der 'Thüringer Wandersmann'
 
August Trinius wurde am 31. Juli 1851 in Schkeuditz geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die aus dem Unstruttal stammende Mutter nach Erfurt. Hier wuchs der Knabe auf und eine enge Beziehung zum Thüringer Land und seinen Leuten gründete sich. Der bläulich herüberdämmernde Thüringer Wald weckte schon früh sein Sehnen. Kaufmannslehre und -beruf, von Anfang an für ihn ein 'leidiger Beruf', führten ihn jedoch nach Berlin. Dort als Buchhalter angestellt beschäftigte er sich in seiner Freizeit mit Kunstgeschichte und wandte sich auf der Grundlage vorbereitender Wanderungen literarischer Tätigkeit zu. Dies befriedigte seine Sehnsucht in die Weite der deutschen Lande mehr als die nüchterne Bürokratie. Nachdem erste Publikationen gut aufgenommen worden waren und sich das Interesse namhafter Zeitungen und Zeitschriften eingestellt hatte, gab er seinen Beruf auf und wurde schriftsteller mit dem Schwerpunkt der Beschreibung deutscher Landschaften. Schilderungen von zahlreichen Ausflügen in die Berliner Umgebung wurden, nach Veröffentlichungen in Berliner Zeitungen, in einem ersten grösseren Werk 'Märkische Streifzüge' (5 Bände) zusammengefasst.
 
 
 'Wandern heisst Leben'
 
Von Berlin aus begab sich August Trinius auf wochenlange Wanderfahrten durch Deutschland, um Eindrücke zu sammeln und seine Allgemeinbildung zu erweitern. Ende der 1870er Jahre kam er dabei auch schon nach Thüringen und wiederholte bald solche Besuche. 1885 heiratete er eine Cottbuser Lehrerstochter. Die Landschaftspracht im 'Grünen Herzen' Deutschlands, seine bedeutsame Geschichte und seine kulturhistorischen Werte, haben Trinius so beeindruckt und gefesselt, dass er sich 1880 entschloss, nach Waltershausen überzusiedeln.
 
So sehr ihn auch Thüringen fesselte, so unaufhaltsam trieb es ihn immer wieder hinaus in die Ferne, wo er überall seinen Bildungshunger und Wissensdurst stillte, Wander- und Reiseeindrücke für seine Erlebnisschilderungen sammelte. Thüringen wurde nun zum Zentralpunkt seines Schaffens. Mehr als 30 Titel seines Gesamtwerkes widmete er dem Thüringer Wald, dem Rennsteig, dem Flusstälern und anderen Landschaftsteilen. Sein 'Thüringer Wanderbuch' in acht Bänden, erschienen von 1886 bis 1902, brachte ihm den Ehrentitel 'Thüringer Wandersmann' ein. Man hätte ihn aber auch 'Deutscher Wandersmann' nennen können, denn unter seinem Leitmotiv 'Wandern heisst Leben' galt auch dem Frankenland, der Rhein-Mosel-Landschaft, Hamburg und Umgebung, den Vogesen u.a. sein Schaffen.
 
 
 Einer der 'glücklichsten Würfe'
 
In der gleichen Nacht, in der die Idee zur Gründung des Rennsteigvereines geboren wurde, schrieb der Latinlehrer Ludwig Hertel auch die Triniusehrung:
 
Neue Casusregeln
    Wer riet zu diesem Hochgenuss der Rennsteigfahrt? Doch Trinius.
    O Wandersmann, du irrest nie, folgst du der Weisung Trinii.
    Auf allen Pfaden, grad und krumm, gedenken wir an Trinium.
    O Trini, sollst gepriesen sein, von Hörschel bis nach Blankenstein.
    Drum, lieber Freund, ruf mit mir froh: Ein Hoch dem edlen Trinio!
    Von wem begeistert dicht' ich so? Doch nur von August Trinio.
Was bewog Hertel zu diesen Versen? Lassen wir Johannes Bühring antworten: 'Das aus frischester Erinnerung entworfene Wandergemälde Der Rennsteig - Eine Wanderung von der Werra bis zur Saale. (Berlin 1890), voll zarter Stimmungsschilderung und humorgewürzt, ist einer der glücklichsten Würfe von Trinius ganzem Schaffen. Er hat der Erwanderung und der Erforschung des Rennsteiges einen neuen, lange Zeit nachwirkenden Anstoss gegeben. Nicht als ob der Höhenpfad bei Forschern und Wanderern in Vergessenheit geraten wäre. Aber das Erlebnis und die Stimmungswerte einer Fahrt über den Rennsteig wurden hier der Allgemeinheit wieder unterhaltsam vor Augen geführt. ... So hat August Trinius seinerzeit sozusagen nolens volens bei der Geburt der Idee und der Gründung des Rennsteigvereins Gevatter gestanden.'
 
 
 Engagement für Thüringen
 
1899 wurde er aktiv förderndes Vereinsmitglied und war noch unzählige Male zum und auf dem Rennsteig unterwegs. 'Von ganzem Herzen zugetan' war ihm nach eigenem Eingeständnis die Stadt Coburg. Hier stand er in engen Kontakt zu den regierenden Fürsten des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha. Bei Ihnen und durch sie fand sein in tiefer Heimatliebe wurzelndes Lebenswerk aufrichtige Anerkennung und höchste Auszeichnung. Sein grosser Verehrer Herzog Ernst II. verlieh ihm den Ehrentitel eines 'Hofrates' und Herzog Karl Eduard machte ihn zum 'Geheimen Hofrat', damit sein Engagement für Thüringen würdigend.
 
August Trinius, der ungeachtet solcher Würde ein bescheidener und guter Mensch im schlichten Wanderrock geblieben ist, war in der ärmsten Hütte des Thüringer Waldes ein stets willkommener und sich zu Hause fühlender Gast. Er widmete diesem Thüringer Wald, dem einzigartigen Kammweg seines mit dem angrenzenden Frankenwald verbundenen Rennsteigs mit der weiten Landschaft Gemeinthüringens den Hauptteil seiner Lebensarbeit. Sein Werk wirkt noch heute nach und dass seine Wanderbücher inzwischen inhaltlich überholt und stilistisch veraltet sind, tut dem keinen Abbruch.
 
August Trinius verstarb im 68. Lebensjahr am 02.04.1919 in Waltershausen. Der Thüringer-Wald-Verein hat als bleibende Erinnerung an den Wandersmann und Rennsteigforscher August Trinius einen Gedenkstein, den 'Triniusstein', am Schwalbenhaupt bei Masserberg mit folgender Aufschrift gesetzt:
    Mag auch in künft'gen Jahren
    der Renner Wallfahrt sein
    des Rynnestigs zu fahren
    zum stillen Triniusstein
Ebenfalls wurde die Quelle unterhalb des Dreiherrensteins Grosser Weissenberg nach seinem Namen 'Triniusquelle' benannt, an der er oft beim Abstieg zum Altensteiner Park vorbeigekommen ist. Die Tinius-Rast an der Schlauchentalwiese oberhalb Ruhlas erinnert ebenfalls an den Thüringer Wandersmann.
 
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