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 Persönlichkeiten am Rennsteig
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  Dr. phil. Julius Kober |
Sein Leben und sein Wirken ...
geb. 17.08.1894 in Suhl
gest. 28.07.1970 in Staffelstein
Stellv. Fürsteher von 1934 bis 1937
Fürsteher des Rennsteigvereines von 1937 bis 1970
Julius Kober wurde am 17. August 1894 in der thüringischen Bergstadt Suhl als zweiter Sohn des
Mundartdichters Friedrich Wilhelm Kober geboren. Er besuchte die Volkshochschule und dann die
Oberrealschule, an der er 1913 das Abitur ablegte. Schon in seinen jungen Jahren widmete er sich
dem bildenden Wandern, der Heimatpflege und dem Schutz der Natur. Vom Vater hat Kober seine
schriftstellerische Begabung sowie die Eigenschaft der Heimattreue und Kontaktfreudigkeit zu anderen
Menschen geerbt. Die Suhler Mundart wurde von ihm frühzeitig gesprochen, gepflegt und betreut. Sehr
bald erwachte so in ihm das Interesse an landschafts- und volkskundlichen Studien, vor allem im
Thüringer Wald, den er kreuz und quer durchstreifte. In seiner Wanderlehrzeit entwickelte sich das
starke Heimatgefühl als Triebkraft für sein umfassendes erfolgreiches Schaffen. Dr. Julius Kobers
Entwicklung wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 beeinflußt. Er erlebte, was es heißt,
ständig in vorderster Front an Kampfhandlungen teilzunehmen. Von diesen Erlebnissen beeindruckt schrieb
und verfaßte er einige Romane u.a. "Drei Kapitel aus dem Erleben eines Frontsoldaten", "Rolf Henneberg"
und "Vom Leben und Sterben eines Dichtersoldaten", später "So sei dein Weg", "Der deutsche Tag" und
1925 "Rennsteigzauber".
Alle diese Schriften beweisen, daß Julius Kober auch als Soldat heimatverwurzelt war. An der
Universität Marburg studierte er Philosophie und schloß sein Studium mit der Doktorarbeit 'Die Mundart
der Stadt Suhl und die wortgeographischen Grenzen ihrer Umgebung'. Er wies in seiner Arbeit nach,
daß der Rennsteig eine Sprachgrenze bildet. Nördlich des Kammweges wird thüringisch und südlich (Suhl)
fränkisch gesprochen.
Nach dem Tod seines Vaters wurde ihm die Führung der Spielschar der Joel-Gemeinde in Suhl übertragen.
Er trat selbst als Hauptdarsteller auf. Das Volksstück vom "Letzten Schulzen von der Lütsche" oder sein
vertontes Märchenspiel um "Dieter und Dietlindes Rennsteigfahrt" trugen einen wesentlichen Beitrag zur
deutschen Laienspiel-Literatur bei und mit ihnen wurde er auch als Begründer des Freilicht-Waldtheaters
am Suhler Friedbrg anerkannt.
Schon in jungen Jahren führte ihn sein Weg zum Rennsteigverein. Schon 1919 wurde er für den verstorbenen
August Trinius in den Vorstandsbeirat berufen, belebte ab 1920 die Tätigkeit der Skiabteilung und
setzte sich fortan organisatorisch erfolgreich für das Wandern über den Rennsteig und andere Strecken
im Thüringer Wald ein.
1932 wurde ihm die Schriftleitung des Boten des Rennsteigvereins "Das Mareile" anvertraut. Er weckte
Begeisterung für den Rennsteig. In vorbildlicher Weise hat es Julius Kober verstanden, Heimatforschung,
Naturschutz und Wanderbewegung zu verbinden und voranzutreiben. Sein besonderes Anliegen war das
bildende Wandern.
Unzählige Vorträge mit selbstaufgenommenen Motiven hielt er in Thüringen und anderen deutschen Gebieten
über die engere und weitere Heimat und bot sie zum Wandern an. Für seine "Verdienste um die deutsche
Wandersache" erhielt er 1936 die Silberne Verbandsehrennadel.
Dr. Kober führte Wanderungen unter seiner Leitung durch, die jede mit einem Wanderspruch begonnen
wurde. Das Buch "Zauberhafte Rennsteigfahrt" beweist, daß Julius Kober als Dichter und Wanderer tief
in die Geheimnisse des uralten Höhenpfades eingedrungen ist.
Der Herrgott schuf das Wandern, die Lieder all dazu,
Damit du mit dem andern, ein Mensch wirst - du auf du.
Julius Kober
Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde er zur Wehrmacht einberufen. Er erlebte schicksalsschwere
Jahre (Trennung von Familie, ältester Sohn starb als Soldat an der Front). Dr. Julius Kober durfte nach
mehrjähriger Kriegsgefangenschaft nicht in die Heimat zurückkehren. 1948 fand er eine Ersatzheimat in
Zapfendorf am Obermain. Mit den Aufbau einer Versandbuchhandlung schuf er sich dort eine neue Existenz.
"Verloren ist nur, was man selber aufgibt", nach diesem Leitgedanken arbeitete Kober in Zapfendorf
weiter.
Er übernahm wieder die Führung des Rennsteigvereins und gewann viele treue Wanderfreunde. Dort konnte
durch sein Engagement zusammen mit den neu gewonnenen Wanderfreunden der Rennsteigverein ab 1950 wieder
neu belebt werden. Diese und die damit verbundene Weitergabe der Tradition des Rennsteingvereins ist
Julius Kobers größtes Nachkriegsverdienst. In Zusammenarbeit mit der Thüringer Tageszeitung in Würzburg
gestaltet Dr. Kober den "Thüringer Heimatkalender", der jedes Jahr erschien. Auch als Schriftleiter für
die "Mareile" war er weiterhin unermüdlich tätig. Er schrieb noch unzählige Bücher über die Thüringer Heimat.
Am 28. Juli 1970 nahm der Tod Dr. Julius Kober die Feder aus der Hand, seine über Grenzen treue Stimme
verstummte. Sein größter Wunsch und Sehnsucht ist ihm nicht erfüllt worden, noch einmal in einem
vereinten Deutschland die geliebten Berge und Täler durchwandern zu dürfen, gemeinsam mit vielen
Freunden, Bekannten und Verwandten.
Sein Vermächtnis könnte all jene erfüllen, die den folgenden Spruch von Dr. Julius Kober richtig deuten
und danach handeln:
"Wer nicht die Vergangenheit seiner Heimat kennt,
der wird nicht den richtigen Weg in die Zukunft gehen ".
Weiterhin war es der Wunsch des unvergessenen Fürstehers Dr. Julius Kober, sein angefangenes
"Spruchbüchlein eines Wanderers" selbst zu Ende zu führen. Es war ihm nicht vergönnt, es zu
überarbeiten und zu erweitern, was dann der Rennsteigverein 1896 im 77. Jahr seines Bestehens auf
Wunsch vieler Wander- und Heimatfreunde für ihn übernahm.
Der Rennsteigverein setzte seinem langjährigen Fürsteher 1971 beim Waldhaus "Weidmannsheil" einen
Gedenkstein. Ein weiterer steht seit 1994 an der Suhler Ausspanne.
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