TYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> Prof. Dr. phil. Ludwig Hertel - Vater des Rennsteigvereins
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 Persönlichkeiten am Rennsteig
 Prof. Dr. phil. Ludwig Hertel
 
Prof. Dr. phil. Ludwig Hertel wurde am 28.Juni 1859 in Gräfenthal geboren. In der Herbstnacht vom 2. zum 3. Oktober 1892 weilte er als Gast im Rennsteig-Waldhaus 'Weidmannsheil'. Tosende Herbststürme rüttelten an den Fenstern des Waldhauses und liessen den Wandergast aus Greiz nicht zur Ruhe kommen. In jener Nacht fasste Dr. Hertel den Entschluss zur Gründung eines Rennsteigvereines. Durch einen formulierten Aufruf: 'Der Unterzeichnente wendet sich hiermit an gleichgesinnte Rennsteigfahrer mit dem Vorschlag bzw. Ersuchen, einen Rennsteigverein zu bilden' , den er am nächsten Morgen in das Gästebuch des alten Rennsteighauses schrieb, wollte er alle ansprechen, die das Waldhaus 'Weidmannsheil' aufsuchten. Elf Bergwanderer, unter ihnen Dr. Johannes Bühring, unterzeichneten Hertels Aufruf.
 
 
 Vater des Rennsteigvereins
 
Am 24.Mai 1896, einem Pfingstsonntag, wurde der Rennsteigverein gegründet. Dr. Ludwig Hertel wurde die Führung des Vereins übertragen. Als erste Aufgabe nannte er die Erschliessung des Rennsteiges und die Sammlung von Schriftwerken über den Rennsteig. Aber: 'Ordentliches Mitglied kann nur ein ein echter Renner werden, der die Absicht hat, den Weg in seiner ganzen Ausdehnung von Werra bis Saale in zusammenhängender Fahrt zu rennen.'
 
Der Germanist Ludwig Hertel war in Sachen Wandern und Heimatforschung kein Neuling. Von seiner Wahlheimat Salzungen aus hatte er von Jünglingsjahren an schon Teile Thüringens durchstreift und sich mit Landschaft, Geschichte und Mundart beschäftigt. Nicht zuletzt war es August Trinius, der mit dem Stimmungsbericht über seine Rennsteigfahrt im jahre 1889 Hertels besonderes Augenmerk auf den Kammweg des Thüringer Waldes lenkte.
 
Gemeinsam mit Dr. Johannes Bühring gab der inzwischen als Gymnasialprofessor in Hildburghausen tätige Dr. Hertel das Standardwerk 'Der Rennsteig des Thüringer Waldes' heraus. Dieses Werk bot nach mehreren Überarbeitungen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges allen Rennsteigwanderern informative Wegweisungen. Weiterhin wurde auch eine Vereinszeitschrift, die man nach der Tochter des Waldhausförsters 'Mareile' titulierte, herausgegeben. In dieser Schrift brachte Hertel historische Daten, Sagen, eigene Erkenntnisse über den Rennsteig, aber auch über dessen politischen Reize zum Ausdruck. Hierdurch wurde der Wanderer Hertel zum zuverlässigsten und beliebtsesten Rennsteig-Wanderführer.
 
Einen bedeutsamen Beitrag leistete der Thüringer Heimatforscher zur Einweihung Werraquelle bei Masserberg am 14. August 1998, indem er eine Festzeitschrift verfasste. Er wies darin nach, dass der Flussname nach germanischen Laut- und Akzentgesetzen aus W I S O S A H A entstanden und somit als 'Wiesenfluss' zu deuten sei. Der Flussname 'Werra' wurde von der im Jahre 1016 nachgewiesenen Bezeichnung 'Wirraha' abgewandelt.
 
Schon 1893 veröffentlichte Ludwig Hertel die Abhandlung 'Der Name des Rennsteigs', in der er die Rennweg-Theorie begründete und die Grenzweg-Theorie zurückwies.
 
Der Germanist Hertel befasste sich nicht nur mit dem thüringisch-fränkischen Rennsteig. Sein 1895 erschienener 'Thüringer Sprachschatz', seine erarbeitete 'Meiningische Landeskunde' und die Übersetzung der Heldendichtung 'Aeneis' von Vergils ins Deutsche, sind der beste Beweis dafür. Dem erst 15 Jahre nach seinem Ableben vollendete Druck seines Werkes begleiten Hertels Wunsch. 'dass der starke sittliche Gehalt der Dichtung, die Ehrfurcht und Scheu vor Gott, Treue gegen Familie und Mitmenschen, Mut bei Gefahr und Hingabe des Lebens an den Nachruhm und Opfer für Freiheit und Heimatland weite Kreise durchdringe, auf dass sich als Trost aus tiefer Not, als Quell fester Zuversicht die Erkenntnis bewäre, dass ein Volk, dass an seine Zukunft glaubt, nie verloren ist'.
 
Der 'Rennsteigvogt von Hildburghausen', wie ihn Dr. Bühring nannte, war auch dichterisch tätig, kündigte poetisch von den landschaftlichen Reizen des Rennsteiges. Mit Versen rief er zu den 'Pfingstrunsten' auf, grüsste Runstgruppen und Freunde. Zwei Jahre nach seinem Tod erschien eine Auswahl aus seinen Gedichten.
 
Es war in Dr. Hertels Sinne, sein Erbe in die Hand seines engsten Mitarbeites und ständigen Stellvertreters Dr. Johannes Bühring zu legen, der als neuer Fürsteher zuverlässiger Garant für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Vereins und seiner speziellen Anliegen war. Am 19. April 1910 starb Prof. Dr. phil. Ludwig Hertel in Hildburghausen.
 
Über den Rennsteigwanderer Ludwig Hertel sagte Lothar Koch in der Trauerfeier zur Pfingstrunst 1910 am Glöckner. 'Der Gründer unsers Vereins war nicht nur des Rennsteigs eifrigster Forscher und bester Kenner, sondern auch der Rennsteigwanderer treuster und bester Führer. Wie wusste er den Rennsteigfahrten poetischen Reiz zu verleihen, wie liess er die Wanderer Einblick tun in des Rennsteigs Vergangenheit, in seine Geschichte und Sagen und wie konnte er uns da erfreuen mit seinem feinen Humor'. Sein Name ist Mittelpunkt des Glöckner-Ehrenmals.
 
Maria Hertel, die Nichte des Dr. Hertel, bewahrt das geistige Erbe ihrer Familie, die in Thüringen wurzelt. Hunderte von Beweisen dieser kostbaren Korrespondenz befinden sich bei Maria Hertel in einingen, die Ahnengeschichte und dazu manche Schrift. Oft liesst Sie in Briefen und Büchern über die Geschichte Ihrer Familie. Längst kennt sie auf diese Weise ihren 'Rennsteigvogt' - Onkel Ludwig, den Sie aber nicht persönlich kennengelernt hatte.
 
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