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 Persönlichkeiten am Rennsteig
 Luise Gerbing - Die 'Thüringer Waldfrau'
 
Luise Gerbing wurde am 23. April 1855 zu Schnepfenthal geboren. Durch ihren Vater, dem Physiker Gustav Ausfeld, vom Gründer der Salzmannschule abstammend, blieb sie mit dem Ort und der Erziehungsanstalt zeitlebens aufs engste verbunden: als Kind sich die Schönheiten der Waldnatur erschliessend, als Gattin des künstlerisch und erzieherisch hochbegabten Reinhold Gerbing, ihres einstigen Zeichenlehrers, und dann selbst dort unterrichtend. Es war der härteste Schlag ihres Lebens, als ihr nach 28 Jahren Ehe, die durch die Geburt ihres Sohnes Walter beglückt wurde, im Februar 1905 der Gatte durch plötzlichen Tod entrissen ward. Sie überwand dies in ihrem mächtigen Arbeits- und Fortbildungsdrang.
 
 
 Schwerpunkt Volkskunde
 
Kulturentwicklung im weitesten Sinne, beobachtet am Thüringer Wald, Land und Volk, war ihr eigentliches Arbeitsgebiet. Alle ihre Einzelstudien, denen unzählige Veröffentlichungen entsprangen, liefen im Grunde wie in zwei grossen Brennpunkten im Flur- und Forstnamenbuch von 1910 und im Trachtenbuch von 1925 zusammen oder hatten Beziehung dazu. Jenes war die Frucht von mehr als 20, dieses von mehr als 30 Wander- und Forschungsjahren. In beiden rettete sie im Umgang mit den ältesten Wald- und Dorfleuten und durch ihre Befragung unwiederbringliches Kulturgut vor Vergessenheit und Untergang.
 
 
 Schutzherrin des Rennsteigs
 
Vierzigjährig unterzeichnete Luise Gerbing Pfingsten 1895 den Waldhaus-Aufruf Ludwig Hertels zur Gründung eines Rennsteigvereins. Als seine Weggenossin und Mitstreiterin bewährte sie sich schnell. Ihr erstes Forschungsergebnis war 1898 die Auffindung des Rennsteigrisses Kerngrund - Grosser Dreiherrenstein und seine Erkennung als Teilstück der Rennsteigbreitungen Ernst des Frommen. Es folgten die Ermittlung weiterer Risse und ihre genaueste Nachzeichnung. Mit Beiträgen ergriff sie ab 1898 auch im Vereinsboten das Wort und es gab frohe Zustimmung, als Ludwig Hertel Pfingsten 1906 die Leitung seines 'Mareile' (Rennsteigzeitschrift) in ihre Hände legte. Über 20 jahre lang hat sie es heraus gegeben, stets davon überzeugt und dafür eintretend, dass die Berechtigung einer besonderen Rennsteigzeitschrift auf dem Überwiegen des forscherbezogenen und wissenschaftlichen Inhalts über den unterhaltenden oder sportlichen beruht.
 
In harmonischen Zusammenklang von Gemüt und Verstand, zielbewusst, selbständigen und unabhängigen Geistes hat sie die Zeitschrift des Rennsteigvereins geführt. Mehrmals wandte sie sich deutlich fordernd gegen jegliche Veränderung am Rennsteig durch Verkehrs- oder Promenadenwegebau, durch willkürliche Verlegung sowie gegen Kraftdroschkenfahrten. Nicht zuletzt deswegen wurde sie von Julius Kober 'Schutzherrin des Rennsteiges' genannt. Wann und von wem ihr der Ehrentitel 'Waldfrau' verliehen wurde, ist nicht überliefert. Jedenfalls hat sie ihn angenommen und auch oft damit unterzeichnet.
 
An den Folgen eines Schlaganfalles verstarb Luise Gerbing am 25. Februar 1927 noch vor Vollendung ihres 72. Lebensjahres in Waltershausen, einige unvollendete Arbeiten über ihre Thüringer-Wald-Heimat im Schreibtisch zurücklassend. Zu einer Gedenkstätte ist es jedoch bis heute nicht gekommen.
 
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